Szenografie für den Sitz des Rates der Europäischen Union
- Datum: 01.07.2008
- Ort: Bruxelles
Seit der Einweihung des Justus Lipsius-Gebäudes, Sitz des Rates der Europäischen Union, hat es sich eingebürgert, dass die aufeinanderfolgenden Ratspräsidentschaften das groβe Atrium im Erdgeschoss, den Presseraum und den Eingang der Minister im 2. Untergeschoss räumlich in Szene setzen.
Vom Generalsekretariat der französischen EU-Ratspräsidentschaft wurde deshalb ein Wettbewerb ausgeschrieben, dessen erster Preis an den Designarchitekten Sylvain Dubuisson vergeben wurde. Er hatte sich für das Atrium eine schwebende Kugel von 15 m Durchmesser vorgestellt, die mit 28 Bändern, einem für jeden EU-Mitgliedstaat und die Europäische Union, bedruckt ist.
Sylvain Dubuisson beschreibt sein Projekt folgendermaβen (illustriert mit 7 Fotos):
"Die Themen meines szenografischen Projekts sind Dynamik und Vielfalt, die in einer Komposition aus mehreren Sequenzen in Szene gesetzt sind:
1. Die erste Sequenz befindet sich an der Auβenseite des Gebäudes. Auf einem 30 m langen Rollbild, das von der französischen EU-Ratspräsidentschaft kündet, sind das Logo, der Slogan "Französische Ratspräsidentschaft - Europäische Union" in den 23 offiziellen EU-Sprachen aufgedruckt.
2. In der zweiten Sequenz rückt durch eine der räumlichen Dimension des Atriums angepasste Kugel die szenografische Installation in den Mittelpunkt. Die transparente Hülle ist mit 28 farblichen Bändern besetzt, die von den Fahnen der Mitgliedstaaten und der europäischen Flagge inspiriert sind. Diese spiralenförmig aufgetragenen Farbbänder wurden (auβer das aus technischen Gründen undurchsichtige Weiβ) mit transparenter Tinte bedruckt, um die Lichtdurchlässigkeit der Kugel noch zu betonen und Deckungseffekte so gut wie möglich zur Geltung zu bringen. Sie sind so einerseits der Ausdruck der Individualität eines jeden Landes und andererseits Teil eines harmonischen Gesamtbildes, welches sich aus der Kombination und Gegenüberstellung der in einer Aufwärtsbewegung gezeichneten Farben ergibt.
Die beiden groβen Spiegel, die an zwei Seiten der Kugel zugeneigt sind, finden ihre Berechtigung in einem besonders zentralen Punkt: den Mittelpunkt des Atriums. Jeder, der die Eingangshalle durchquert, kann, wenn er an diesem Punkt direkt unter der Kugel innehält, sehen, wie das Logo der französischen EU-Ratspräsidentschaft durch die Spiegelung genau in der Mitte der Farbbänder erscheint. Bei diesem Spiel mit Spiegeleffekten nimmt die Kugel die volle Breite eines jeden Spiegels ein.
An den Seiten laufen auf zwölf Bildschirmen ständig und abhängig von der Nachfrage die Informationssender aus den verschiedenen Mitgliedstaaten. Diese Sofortübertragung der vielfältigen Meinungen, zu deren Umsetzung technische Schwierigkeiten im Gebäude überwunden werden mussten, bietet einen Strom von Bildern, der die Andersartigkeit eines jeden Mitgliedstaates unterstreicht. Die technischen Anlagen für den Satellitenempfang bleiben dem Justus Lipsius-Gebäude erhalten.
Bänke in den Farben der französischen Ratspräsidentschaft grau, rot und blau, die über geringes Gewicht verfügen, um ihre den Raum Bewegbarkeit zu ermöglichen, vervollkommnen die Raumgestaltung.
Die Atrium-Sequenz setzt sich demnach aus zwei komplementären Dimensionen zusammen, wobei jede die Aufmerksamkeit und die Interaktion mit dem Publikum beansprucht:
- die künstlerische Dimension: Darstellung und Umsetzung einer Dynamik zwischen den verschiedenen Mitgliedstaaten
- die informationstechnische Dimension: Wiedergabe und Zugänglichkeit der vielfältigen Diskurse
3. Abgesehen vom Atrium findet sich, bevor man die Etagen der Delegationsbüros, die Sitzungssäle oder den Ratssaal betritt, eine dritte Sequenz, die das szenografische Element abschlieβt. Die Installation besteht aus einer Uhr, die auf eine acht Meter groβe Leinwand projiziert wird. Zu jeder Minute wird das Verstreichen der Sekunden um die Stunden- und Minutenzahlen, welche das Logo der französischen Präsidentschaft umrahmen, durch eine Doppelprojektion der 27 Fahnen angezeigt. Die Fahnen tauchen auf und verschwinden wieder und zeichnen so eine groβe Ellipse, die an sich ebenfalls eine dynamische und vielfältige Projektion eines sich bewegenden Europas ist."
- Aktualisiert am: 15.01.2009


