Die neuen Grenzen der Kulturwirtschaft: Von der kulturellen zur kreativen Industrie?
- Von: 02.10.2008
- Bis: 03.10.2008
- Ort: Paris, Musée du Quai Branly
Auf den 3. Kulturwirtschaftstagen werden sich europäische Persönlichkeiten der Wirtschaftswelt und des Kulturlebens begegnen, um gemeinsam Vorschläge für die Ausrichtung der europäischen Kulturpolitik zu erarbeiten.
Im Mittelpunkt der dritten Kulturwirtschaftstage stehen die Analyse der Veränderungen im Kultur- und Kommunikationsbereich sowie die Auswirkungen, die diese auf die Kulturpolitik haben.
Ausgehend von den vom europäischen Amt für Statistik Eurostat und der Expertengruppe über die Maximierung des Potentials der Kultur- und Kreativindustrie erstellten europäischen Kulturstatistiken, die in Bezug gesetzt werden zu Beispielen von Unternehmensstrategien, befasst sich das Seminar mit der Erweiterung des kulturwirtschaftlichen Bereiches. Diese zeigt sich in verschiedenen Aspekten:
- Sie ergibt sich aus dem Aufschwung der wissens- und informationsbestimmten Wirtschaft, der immateriellen und der industriellen Digitalwirtschaft. Die Kulturwirtschaft hat den industriellen Akteuren als strategisches Denklabor gedient; ihre Grenzen haben sich heute verschoben.
- Sie stützt sich auf die künstlerische Kreativität, die auch außerhalb der herkömmlich als Kultur bezeichneten Bereiche zu Wertschöpfung geführt hat, wie etwa beim Design, in der Mode, den digitalen Diensten usw. Kreativität hat sich zum Wachstumsfaktor einer ganzen Dienstleistungswirtschaft gewandelt, die den Verbraucher/Hersteller in die Wertschöpfungskette integriert.
- Sie ist abhängig von der Globalisierung, der die Kulturwirtschaft nicht ausweichen kann, gleichgültig ob sie sich davon nährt oder sich dagegen verteidigen muss. All dies drückt sich im Austausch von kulturellen Gütern und Dienstleistungen sowie von Kapital oder auch durch die Bewegungen in Verbindung mit dem Kulturtourismus und der Expansion von Netzwerken.
Diese Verschiebung der Grenzen der Kulturwirtschaft verlangt eine Überprüfung der Fragestellungen, Methoden, Gegenstände und Anliegen dieser Industrie bis hin zu der Frage nach deren Autonomie. Müssen angesichts der Bedeutung wirtschaftlicher Mechanismen Methoden aus der allgemeinen Wirtschaft, insbesondere aus der Industrie, oder aus der immateriellen Wirtschaft übernommen werden? Müssen sich die Mechanismen sowie die Lenkungs- und Regulierungsmethoden der Kulturwirtschaft in Europa weiterentwickeln, um das Feld der "Kreativität" weiter auszudehnen - von den künstlerischen Berufen über Design, Werbung, Videospiele usw. bis hin zu den digitalen Dienstleistungen? Oder werden sie dahin führen, die Besonderheit der Kulturwirtschaft innerhalb einer umfassenderen immateriellen Wirtschaft aufzulösen?
Über den Dialog versuchen Forscher und Wirtschaftsakteure, diese Fragen und Herausforderungen, denen sich alle EU-Mitgliedstaaten stellen müssen, zu beantworten und konkrete Vorschläge zu politischen Maβnahmen für die Kulturindustrie und insbesondere für die Kulturunternehmen zu erarbeiten.
- Aktualisiert am: 23.12.2008

